Der Europäische Forschungsraum

Das Konzept des Europäischen Forschungsraums (EFR oder ERA - European Research Area) geht auf eine Initiative des EU-Forschungskommissars Philippe Busquin (Amtszeit 1999 - 2004) zurück, der seine Ideen im Januar 2000 in der Kommissionsmitteilung "Hin zu einem Europäischen Forschungsraum" vorstellte. Diese Mitteilung, in der Philippe Busquin die Vision eines "grenzenlosen Raums" entwickelte, in dem sich Forschende ohne Schranken bewegen können und in dem Infrastrukturen, Förderprogramme und Projekte gebündelt, aufeinander abgestimmt und gemeinsam genutzt werden, war zugleich auch Auftakt für die Diskussion um das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm. Unter seinem Nachfolger im Amt des Forschungskommissars, Janez Potocnik, wurde das Konzept weitergeführt und entwickelt.

Ultimatives Ziel des Europäischen Forschungsraums ist die Entwicklung einer gemeinsamen Forschungspolitik der EU, die Europa zu einem gleichwertigen Partner gegenüber Mitbewerbern, z. B. aus dem nordamerikanischen oder asiatischen Raum macht.

Durch den Europäischen Forschungsraum soll die Absicht der Europäischen Union verwirklicht werden, eine gemeinsame Forschungspolitik zu implementieren.
Dies beinhaltet die Integration und Kooperation der wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten der Mitgliedstaaten auf mehreren Ebenen.

Eines der wichtigsten Instrumente zur Verwirklichung der Idee des Europäischen Forschungsraumes sind die seit dem Jahr 1984 von der Kommission durchgeführten mehrjährigen Rahmenprogramme für Forschung und technologische Entwicklung.

Das aktuelle 7. EU-Forschungsrahmenprogramm (7. FRP) soll dazu beitragen, zahlreiche Kooperationen im Rahmen konkreter und gezielter Projekte in Schlüsselbereichen der medizinischen, ökologischen, industriellen oder sozioökonomischen Forschung auszulösen. Im 7. FRP stehen für die Laufzeit von 2007 - 2013 auch erhebliche Fördermittel für die Mobilität von Forschern, die Einbeziehung von KMU und die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Verfügung.

In Sinne der effizienten Koordination und Abstimmung der nationalen Forschungspolitiken haben sich die europäischen Staats- und Regierungschefs ein Ziel gesetzt, das einen entscheidenden Schritt hin zu einem Europäischen Forschungsraum darstellen soll: Die Europäische Union hat sich verpflichtet, ihre globalen Forschungsausgaben bis zum Jahr 2010 auf 3 % des BIP zu erhöhen.

Mit dieser Maßnahme soll das Defizit, das hier gegenüber den USA und Japan besteht, aufgeholt werden. Der gemeinsame Europäische Forschungsraum soll somit auch die Konkurrenzfähigkeit der Europäischen Union steigern.

Im Anschluss an das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Hampton Court im Oktober 2005 wurde unter dem Vorsitz des ehemaligen finnischen Premierministers Esko Aho eine unabhängige Sachverständigengruppe eingesetzt, um Empfehlungen zu Forschung und Innovation zu formulieren. Der Bericht 'Ein innovatives Europa schaffen' wurde im Januar 2006 fertig gestellt. Darin fordert die Sachverständigengruppe einen Pakt für Forschung und Innovation, der von Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft getragen werden muss.


Grünbuch "Der Europäische Forschungsraum: Neue Perspektiven"

Am 4. April 2007 veröffentlichte die Europäische Kommission das Grünbuch "Der Europäische Forschungsraum: Neue Perspektiven". In diesem Dokument erörterte die Kommission Fragestellungen zum weiteren Ausbau des Europäischen Forschungsraums.
Dieser soll von folgenden Merkmalen geprägt sein:

  • angemessener Austausch von kompetenten Forscherinnen und Forschern
  • Forschungsinfrastrukturen von Weltniveau
  • Spitzenforschungseinrichtungen
  • effektiver Wissensaustausch
  • gut koordinierte Forschungsprogramme und Forschungsschwerpunkte
  • breite Öffnung des Europäischen Forschungsraums für die Welt

Mit dem Grünbuch wurde eine Debatte innerhalb der europäischen Institutionen und der Öffentlichkeit über die Vorschläge der Kommission in Gang gesetzt. Über die Ergebnisse der Debatte können Sie sich hier informieren: http://ec.europa.eu/research/era/results-on-debate_de.html


Ljubljana-Prozess und Vision 2020

Auf das Grünbuch und die Ergebnisse der Konsultation aufbauend, hat die Europäische Union einen globalen Gestaltungsprozess des Europäischen Forschungsraums in Gang gesetzt. Dieser Prozess wird auch "Ljubljana-Prozess" genannt. Mit ihm verbunden ist zum einen die Vision 2020, die darlegt, wie und in welche Richtung sich der Europäische Forschungsraum entwickeln soll. Zum anderen wurden 2008 fünf spezielle Initiativen für den Europäischen Forschungsraum gestartet. Auch diese Initiativen bauen auf das Grünbuch und die Debatte darum auf. Die fünf Initiativen behandeln die Themen:

  • Forschermobilität und Laufbahnentwicklung
  • Forschungsinfrastrukturen
  • Wissenstransfer / Geistiges Eigentum
  • Gemeinsame Programmplanung
  • Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung

Mit den fünf so genannten EFR-Initiativen verfügt die Europäische Union neben dem Forschungsrahmenprogramm über weitere grundlegende Bausteine für den Europäischen Forschungsraum.

Die fünf Initiativen für den Europäischen Forschungsraum

1. Forschermobilität und Laufbahnentwicklung

Mitteilung der Kommission: Bessere Karrieremöglichkeiten und mehr Mobilität: eine europäische Partnerschaft für die Forscher, 23.05.2008
http://ec.europa.eu/research/press/2008/pdf/com_2008_31_1_de.pdf

Schlussfolgerungen des Rates "Eine europäische Partnerschaft für die Forscher: bessere Karrieremöglichkeiten und mehr Mobilität", 26.09.2008
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/08/st13/st13671.de08.pdf

2. Forschungsinfrastrukturen

Schlussfolgerungen des Rates über "Europäische Forschungsinfrastrukturen und ihre regionale Dimension", 30.05.2008
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/08/st10/st10220.de08.pdf

Verordnung des Rates über den gemeinschaftlichen Rechtsrahmen für ein europäisches Konsortium für eine Forschungsinfrastruktur (ERIC), 25.06.2009
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/09/st10/st10603.de09.pdf

3. Wissenstransfer / Geistiges Eigentum

Empfehlung der Kommission zum Umgang mit geistigem Eigentum bei Wissenstransfertätigkeiten und für einen Praxiskodex für Hochschulen und andere öffentliche Forschungseinrichtungen, 10.04.2008
http://ec.europa.eu/invest-in-research/pdf/ip_recommendation_de.pdf

Entschließung des Rates zum Umgang mit geistigem Eigentum bei Wissenstransfertätigkeiten und für einen Praxiskodex für Hochschulen und andere öffentliche Forschungseinrichtungen, 30.05.2008
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/08/st10/st10323.de08.pdf

4. Gemeinsame Programmplanung

Mitteilung der Kommission: Gemeinsame Planung der Forschungsprogramme: bessere Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen durch Zusammenarbeit, 15.07.2008
http://ec.europa.eu/research/press/2008/pdf/com_2008_468_de.pdf

Schlussfolgerungen des Rates zur gemeinsamen Planung der Forschungsprogramme in Europa als Reaktion auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen, 02.12.2008
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/08/st16/st16775.de08.pdf

5. Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung

Mitteilung der Kommission: Europäischer Strategierahmen für die internationale wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit, 24.09.2008
http://ec.europa.eu/research/era/pdf/com_2008_588_de.pdf

Schlussfolgerungen des Rates zu einer europäischen Partnerschaft für die internationale wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit, 02.12.2008
http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/08/st16/st16763.de08.pdf

 

 

Dokumente

Ljubljana-Prozess und "Vision 2020" für den Europäischen Forschungsraum

Schlussfolgerungen des Rates zum Start des "Ljubljana-Prozesses" - Hin zu einer vollständigen Realisierung des Europäischen Forschungsraumes, 30.05.2008
http://register.consilium.
europa.eu/pdf/de/08/
st09/st09076.de08.pdf


Schlussfolgerungen des Rates zur Definition einer "Vision 2020" für den Europäischen Forschungsraum, 02.12.2008
http://register.consilium.
europa.eu/pdf/de/08/
st16/st16767.de08.pdf